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Öl Ratgeber

Motoröl

Vorwort

 

In der Regel kümmert man sich nicht darum - macht doch die Werksatt bei der Inspektion den Ölwechsel und wählt das richtige Öl aus. Die wenigsten Fahrer machen ihren Ölwechsel noch selbst und wenn, nimmt man einfach das Öl was vom Hersteller vorgegeben ist. Was steckt aber hinter den Bezeichnungen und den verschiedenen Ölsorten ? Dazu nachfolgend ein kurzer Überblick.

 

SAE-Bezeichnung aufgeklärt

 

Das nachfolgende Video macht deutlich, wie sich die verschiedenen Viskositäten der Öle auswirken:

Gelesen haben wir schon alle davon, ob 15W40, 5W40 oder gar 0W50 - man nimmt in der Regel das was der Hersteller vor gibt und tut damit das Beste für seinen Motor. Weit gefehlt, denn der Hersteller schreibt nur das Öl vor was eben ausreichend ist und womit getestet wurde, das der Motor die durchschnittliche Lebensdauer erreicht. Es gibt aber in der Regel meist hochwertigere Öle als vom Hersteller vorgeschrieben und es ist meist besser diese zu verwenden.

Öle werden nach verschiedenen Klassifikationen eingeteilt. Es gibt die SAE-,  APi- und ACEA-Klassifikation sowie auch Herstellerspezifische Einteilungen. Ich möchte hier nur auf die SAE-Klassifikation eingehen. Diese wurde 1911 von der Society of Automotive Engineers festgelegt. Am Anfang gab es nur so genannten Einbereichsöle die nach dem Muster SAE XX oder SAE xxW (W=Winter ) festgelegt wurden. Es war früher also notwendig im Sommer ein anderes Öl zu nutzen als im Winter. Später kamen die Mehrbereichsöle die eben sowohl im Sommer als auch im Winter genutzt werden konnten. Dazu wurde die SAE-Bezeichnung erweitert auf das Muster xxW-xx - also z.B. das heute gängige 5W-40.

Nimmt man als Beispiel die Bezeichnung 5W-40 so steht die Zahl 5 vor dem W für die Viskosität bei 18 Grad Minus. Dabei bezieht sich die 5 auf die alte SAE-Klassifikation der Einbereichsöle.  Ein 5W-40 entspricht also einem SAE 5 Einbereichsöl bei minus 18 Grad. Die Zahl 40 nach dem W steht für die Viskosität bei 99 Grad.  Ein Öl ist im kalten Zustand dicker als im warmen. Der höchste Motorverschleiß tritt beim Kaltstart ein. Desto kälter das Öl ist, desto schlechter sind die Schmiereigenschaften. Ein gutes Öl sollte also im kalten Zustand schon möglichst dünn sein. So ist ein 15W-40 bei 18 Grad minus dicker als ein 5W-40. Bei 99 Grad sind beide Öle dann gleich dünnflüssig. Man sieht also, das ein  5W-40 im kalten Zustand ( gerade im Winter ) den Motor sehr viel mehr schont. Schreibt ein Hersteller ein 15W-40 vor, so ist es eben trotzdem besser ein 5W-40 zu verwenden. Das Video oben verdeutlicht gut mit welch großen Geschwindigkeitsunterschieden die jeweiligen Öle im kalten Zustand aus den Bechern fließen.

Wichtig ist sich zu merken, je tiefer die Zahl vor dem W, desto besser ist das Öl für den Kaltstart und somit vor allem für den Winter geeignet. Desto höher die Zahl nach dem W, desto dicker ist das Öl im warmen Zustand. Ein 0W-30 Öl ist also im warmen Zustand dünner als ein 0W-40 Öl. Die Zahl vor dem W darf in der Regel tiefer sein als vom Hersteller vorgegeben, die Zahl nach dem W sollte dabei mit der Herstellerangabe übereinstimmen. So ist es kein Problem ein 0W-40 in einem Motor zu nutzen der laut Hersteller mit 10W-40 betrieben werden soll. Abzuraten ist aber davon ein 10W-30 in einem Motor zu nutzen der mit 10W-40 betrieben werden soll.

Wer seinen Motor z.B. auf der Rennstrecke stark beansprucht und hohe Öltemperaturen erreicht, sollte bei z.B. einem vorgeschriebenen 10W40 eher ein 10W50 nehmen um zu verhindern das das Öl zu dünn wird. Aber eben nur unter extremen Belastungen. Im Straßenbetrieb wäre ein 10W50 anstatt des 10W40 im warmen Zustand zu dickflüssig.

Wichtig ist noch zu erwähnen das diverse Dieselmotoren mit Partikelfilter unter Umständen spezielle vom Hersteller vorgeschrieben Öle verlangen, die bei der Verbrennung absolut keine Rückstände bilden. Solche Motoren können nicht einfach wie oben beschrieben mit anderen Ölen betrieben werden. Für genau Informationen sollte man immer den Hersteller kontaktieren bzw. in der Fachwerkstatt nachfragen.

 

Vollsynthetisch Teilsynthetisch Mineralöl
 

Gute Mehrbereichsöle sind in der Regel Vollsynthetische Öle, denn nur mit diesen kann man die Eigenschaften eines 0W40 erreichen. Ein 15W40 ist dagegen meist ein Mineralöl. Aber worin liegt der Unterscheid zwischen einem Mineralöl und einem Vollsynthetischem Öl ?

Mit der Entdeckung der Polymere Ende der 60er Jahre wurden die Mehrbereichsöle entwickelt. Diese Öle haben die Eigenschaft, dass sie bei unterschiedlichen Temperaturen ihre Viskosität nicht so stark ändern wie Einbereichsöle. Das ermöglicht es im Sommer und im Winter das gleiche Öl zu benutzen und reduziert den verschleiß beim Kaltstart bedeutend. Aber nicht nur die besseren Viskositätseigenschaften der Vollsynthetischen Öle sind von großer Bedeutung, sondern auch die anderen Eigenschaften wie Temperaturbeständigkeit, Verdampfungseffekt und der Neigung kaum Ablagerungen im Motor zu bilden.

Ein Mineralöl verträgt nur Temperaturen bis maximal ca. 150 Grad. Ein Vollsynthetisches Öl je nach Qualität ca. 220-250 Grad. Wenn man bedenkt das bei modernen Hochleistungsmotoren unter Volllast wie z.B. einer Vollgasfahrt auf der Autobahn an den Kolben Temperaturen weit über 200 Grad auftreten können, so wird einem schnell klar das hier ein Mineralöl schnell an seine Grenzen stößt. Das Öl wird in seinen Eigenschaften zerstört - es altert schneller. Vor allem bei Turbo-Motoren wird das Öl sehr stark thermisch beansprucht.

Ein weiterer Punkt ist der Verdampfungseffekt. Wird Öl warm, neigt es dazu zu verdampfen. Das kann man ganz leicht testen in dem man mal etwas Öl erwärmt. Beim Mineralöl steigen förmliche Dampfwolken auf, während beim Vollsynthetischem Öl dieser Effekt deutlich geringer ist. Der Ölverbrauch ist deshalb theoretisch beim Mineralöl höher als beim Vollsynthetischem Öl.

Noch ein Vorteil der Vollsynthetischen Öle ist, das sie sehr viel weniger Ablagerungen im Motor bilden als Mineralöle. Zwar werden sowohl Mineralöle als auch Vollsynthetische Öle mit vielen Zusätzen versehen die Ablagerungen verhindern sollen, aber ein Vollsynthetisches Öl ist das Öl, das weniger Ablagerungen verursacht da durch die höhere Temperaturbeständigkeit weniger Rückstände abgelagert werden.

ÖL-Herstellungsmethoden:

In den Raffinerien wird zuerst immer Mineralöl hergestellt. Mineralöl besteht aus vielen unterschiedlichen Formen von Molekülen. Je nach der Art der Form der enthaltenen Moleküle wird die Qualität beeinflußt.

Hydrocrack-Öl:  Für Hydrocrack-Öl wird als Basis ein Mineral-Öl von guter Qualität genommen. Die Moleküle werden dann in einem groben Verfahren zurecht gebrochen um die Eigenschaften des Öls zu verbessern.

Synthetik-Öl:  Bei den Synthetik-Ölen werden die Moleküle des Mineralöls völlig auseinander genommen und komplett neu angeordnet. Das nun entstandene Grundöl hat die beste Qualität und auch schon ohne Zusätze sehr gute Eigenschaften.

Teil-Synthetik-Öl: Teilsynthetisches Öl ist in der Regel Mineralöl welchem Anteile von Synthetischem Öl beigemischt wurden.

Den so hergestellten Ölen werden noch Zusätze beigemischt um Verbesserungen zu erreichen. Diese Zusätze nennt man Additive. Sowohl Mineral-Öle wie auch Synthetik-Öle beinhalten als Endprodukt Additive die z.B. die Viskosität verändern, Ablagerungen verhindern oder die Temperaturbeständigkeit erhöhen.

Vollsynthetische Öle sind  die besten Öle und den Mineralölen, Hydrocrack-Ölen und Teilsynthetischen Ölen überlegen.

 

Irrtümer rund ums Öl

 

Viele kennen die Meinungen diverser Schrauber - "du hast ein altes Auto, da kannst du kein dünnes Vollsynthetisches Öl benutzen. Der verbraucht dann viel mehr Öl". Wie man an den Spezifikationen der SAE-Norm sehen kann ist das ein Irrtum. Nehmen wir einen Serienwagen Benziner aus den 80er Jahren. Für diese war oftmals ein 15W40 vorgeschrieben - also ein Mineralöl. Verwendet man nun ein 0W-40 Vollsynthetisch, so ist dieses Öl ja bei 99 Grad gar nicht dünner als das 15W40 - es sind ja beides 40er Öle. Das Vollsynthetische Öl ist gegenüber dem Mineralöl eben nur im kalten Zustand dünner und genau das wollen wir ja um eine verschleißarmen Kaltstart zu erreichen.

Nun liest man immer wieder davon das Gebrauchtwagenkäufer ( Youngtimer ) beim umstellen auf ein neues Vollsynthetisches Öl mehr Öl verbrauchen und sogar das Öl aus den Dichtungen tritt. Meiner Meinung nach wäre das so oder so passiert. Denn wie oft wurde der Ölwechsel gerade bei alten Wagen vernachlässigt, das Öl ist schon teerig und zäh. Nach dem Ölwechsel läuft dann auch ein Mineralöl aus den Dichtungen wenn sie beschädigt sind. Abhilfe schafft hier neue Dichtungen einzubauen und man kann problemlos ein vollsynthetisches Öl verwenden.

"Mein Auto verbraucht viel Öl und da ich ständig nachkippen muss, kann ich mir den Ölwechsel sparen". Auch das ist ein Irrtum. Mit der Zeit bilden sich Ablagerungen im Öl, die auch der Ölfilter nicht herausfiltern kann und die Molekülketten des Öls werden durch Reibung, Druck und hohen Temperaturen zerstört. Diese Problem werden nur durch ablassen des Öls entfernt. Kippt man ständig nur Öl nach, bleiben diese Nachteile vorhanden und das neue Öl wird durch vermischen mit dem alten Öl sofort zerstört.

"Ölzusätze vermindern die Reibung und erhöhen die Lebensdauer des Motors." Das möchten uns diverse Hersteller solcher Zusätze erzählen, aber es ist einfach Blödsinn. Außer das man für ein paar hundert Milliliter viele Euros los wird bringt das ganze gar nichts. Unter Umständen sind solche Zusätze sogar schädlich da sie mit dem Öl schlecht reagieren können, die Eigenschaften des Öls zerstören oder so feine Bestandteile enthalten, die sich in den Poren der Motorbauteile festsetzen und die Wärmeableitung verschlechtern. Mein Rat - Finger weg von solchen Zusätzen.

 

Ölwechsel - wie oft ?

 

Vor einigen Jahren noch waren bei den meisten Autos die Ölwechselintervalle bei 10.000-15.000 Km zu erledigen. Heute schreiben Hersteller Ölwechsel bei manchen Modellen nur noch alle 30.000 Km und mehr vor. Auch ein Resultat der besseren Eigenschaften die heutige moderne Öle aufweisen. Trotzdem sollte man sich über eines im klaren sein - selbst das beste Öl altert mit jeder Fahrt - ja sogar wenn der Wagen steht. 30.000 Km-Intervalle sollte man auf keinen Fall überschreiten.

Wer seinen Motor öfters höher beansprucht kann das Öl auch einige Tausend Km eher wechseln. Vor allem wer viel Kurzstrecke fährt sollte nicht bis zum Hersteller vorgegeben Intervall warten. Beim Kurzstreckenbetrieb gelangt immer etwas Benzin ins Öl was das Öl ebenfalls stark altern lässt. Auf keinen Fall sollte man die Herstellerintervalle überschreiten. Es gibt heute Anbieter die versprechen eine Ölreinigung durchzuführen um so das Geld für neues Öl zu sparen. Da die Molekülketten des Öls mit der Zeit durch Reibung, Druck und hohen Temperaturen zerstört werden, sollte man immer neues Öl verwenden. Auch Billigöle aus dem Baumarkt die kein Erstrafinat sind, sollte man meiden. Wegen 15 oder 20 Euro Ersparnis sollte man keinen erhöhten Verschleiß durch billiges Öl in Kauf nehmen.